Zum Genie erziehen

Zum Genie erziehen?!

 

Wir wollen alle das Beste für unser Kind. Ich gebe zu, ich möchte sogar mehr als das. Ich habe mir die Frage gestellt, ob es möglich ist sein Kind zum Genie zu erziehen. Es wäre doch schön, wenn mein Kind in einem Gebiet überragende Leistungen zeigt und somit alle anderen Menschen mit seinem Wissen oder Können in den Schatten stellt. Es geht mir also nicht um eine allumfassende Bildung, sondern um eine einzige Fachrichtung, wo mein Nachwuchs ein „Wunderkind“ werden könnte.

Definition Genie

 

Als erstes habe ich mir die Definition eines Genies angesehen: Das Genie ist eine Person mit überragend schöpferischer Geisteskraft oder auch besonders herausragenden Leistungen auf anderen Gebieten.

Die Geniebegriffe unterscheiden sich je nach Zeitalter. Der Geniebegriff heute besagt nur, dass alle Menschen mit einem hohen Intelligenzquotienten (über 130) als Genie gelten. Diese Definition geht aber ziemlich an dem Geniebegriff vorbei, da unter einem Genie ein Mensch verstanden wird, der überragende geistige Leistungen erbracht hat. Nur weil jemand einen hohen IQ und somit das Potenzial hat überdurchschnittliche Leistungen für die Gesellschaft zu erbringen, heißt das nicht, dass er das tun wird. Zudem ist die Intelligenz allein nicht ausschlaggebend, sondern beispielsweise auch Kreativität, Phantasie und Intuition. Man fand heraus, das hochbegabte Kinder meist intensive Gefühle, Vorstellungen oder Erinnerungen haben. Dadurch haben Genies meist schon in der Kindheit ein religiöses oder spirituelles Erlebnis.

Liest man also diese Definition, geht man davon aus, dass es nicht möglich ist aus seinem Kind ein Genie zu machen. Denn ob der Nachwuchs einen überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten hat, also als hochbegabt gilt, kann man nicht beeinflussen…oder?

Die Anleitung: Zum Genie erziehen

 

Bei meinen Recherchen, um eine Antwort auf meine Eingangsfrage zu bekommen, stieß ich auf László Polgár. Er ist ein ungarischer Pädagoge, der die Ansicht vertritt, dass Begabung nicht angeboren, sondern anerzogen ist. Genau das wollte er beweisen. Noch bevor er seine zukünftige Frau kennen lernte, die passenderweise Lehrerin war, stand für ihn fest, dass er seine noch nicht geborenen Kinder zu Genies erziehen werde.

Er bekam drei Töchter. Im Alter von 4 Jahren interessierte die älteste Tochter sich für ein Schachbrett. Das war der Grundstein. Polgár bildete ab da an seine Tochter und auch die folgenden Geschwister, sechs Stunden am Tag in Theorie und Praxis des Schachspiels aus. In der Wohnung befanden sich 2000 Fachbücher, Karteikarten mit 50 000 Partien und die dreifache Menge an Eröffnungen. Die Polgárs fechteten vor Gericht an, ihre Kinder zu Hause unterrichten zu dürfen um diese so zu Genies zu erziehen. Frühzeitig erhielten die Töchter Unterricht in Mathematik, Fremdsprachen und natürlich Schachregeln. Er hatte damit Erfolg. Alle seine Töchter gehören zu den besten Spielerinnen der Welt. Ein Zufall?

In der Gesellschaft gilt mehrheitlich die Meinung Begabung sei angeboren. Es liegt also in den Genen, ob jemand in etwas talentierter ist als andere. Fragt man beispielsweise den weltweit bekanntesten und erfolgreichsten Pianisten Lang Lang sagt auch dieser über sich, er sei begabt und entweder man sei es oder eben nicht.

Was sagt die Wissenschaft?

 

Aktuelle Studien zeichnen ein anderes Bild. Der aktuelle Stand in der Forschung besagt, es stimmt zwar, dass Gene bestimmte geistige Leistungen und Charaktereigenschaften festlegen. Wir können also nicht beeinflussen, ob unser Kind beispielsweise ein gutes räumliches Denken zeigt oder sehr emphatisch ist. Doch des weiteren wurde herausgefunden, Motivation und Ausdauer sind der Schlüssel zum Erfolg. Leistungsbereitschaft zählt mehr als die Intelligenz. Dies bedeutet, Menschen können das, was sie können wollen. Jemand, der nicht hoch gebildet ist, aber sich auf einem bestimmten Gebiet sehr gut auskennt, steht dem Menschen, der hochintelligent ist, in seinem Fachgebiet in nichts nach.

Die Forscher von heute haben damit László Polgárs Theorie der 60er Jahre bestätigt. Die Intelligenz eines Menschen hängt nicht von den Genen ab. Jedes Kind ist in der Lage zum Genie erzogen zu werden. Das Potenzial der Begabung steckt in jedem Säugling dieser Erde. Auch meine Frage, wie ich meinen Nachwuchs fördern müsste, damit er in einem ausgewählten Fachgebiet außerordentliche Leistungen erbringen kann, wurde beantwortet. Es ist nur eine Frage der Rahmenbedingungen. Dieses Potenzial muss entsprechend von Eltern, Schule und Umfeld gefördert werden, so dass es in Leistung umgewandelt werden kann. Das Stichwort ist simpel: üben, üben, üben. Einer Karriere zum Profigeiger bis hin zum Profifußballer steht nichts im Wege, wenn dein Kind nur ehrgeizig genug ist und von dir zum Genie erzogen wird.

Das Fazit: Genie, Wahnsinn und Glück

 

Dies liest sich als eine einfache, logische Formel zum Erfolg. Kann es so einfach sein? Vom Säuglingsalter an lernen Kinder ohne unser aktives Zutun. Sie lernen sich zu drehen, zu greifen, zu laufen, später zu sprechen. Kinder haben einen inneren Drang zu lernen, jeden Tag neue Dinge in der Umwelt zu erforschen und ihr Wissen zu erweitern. Dies alles passiert spielerisch, oft ohne das wir Eltern es bemerken. Diesen natürlichen Wissensdurst sollten wir fördern, doch immer sollte das Tempo dem Kind überlassen sein. Jedes Mädchen, jeder Junge sollte sich glücklich und harmonisch entwickeln dürfen. Es benötigt dafür Förderung, die seinen individuellen Bedürfnissen entspricht. Es gilt als Eltern den Weg zwischen Über- und Unterforderung zu finden. Für uns Eltern gilt, unseren eigenen Ehrgeiz kritisch zu hinterfragen und zeitweise zu überprüfen. Die Erziehung zum Genie passt oft nicht mit der artgerechten Erziehung zusammen.

Wenn wir diese Punkte beachten wachsen unsere Kinder eventuell nicht zu Genies heran, aber dafür zu glücklichen Erwachsenen.